GRÜNE News aus Wachtberg Juni 2026

Das Berkumer Rathaus: Warum Neubau statt Sanierung?

Das Rathaus ist ein Problemfall: Über 50 Jahre alt und in schlechtem Zustand. Das Dach ist undicht, die Heiztechnik veraltet und wegen fehlender Dämmung verbraucht das Gebäude unfassbar viel Energie. Wie viele öffentliche Gebäude aus den 1970er Jahren ist es mit Schadstoffen belastet. Schon einfache Umbauten können dadurch kompliziert und teuer werden. Außerdem ist es nicht barrierefrei.

Seine Bauweise setzt enge Grenzen: Die niedrigen Geschosshöhen entsprechen nicht mehr heutigen Anforderungen an moderne Verwaltungsgebäude. Gleichzeitig sind fast alle Innenwände tragend, sodass Räume kaum flexibel umgebaut werden können. Moderne und effiziente Bürostrukturen lassen sich dort nur sehr eingeschränkt umsetzen.Spätestens seit dem Hallenbad-Desaster sind sich Verwaltung und fast alle Fraktionen einig: Eine Sanierung in Eigenregie ist personell nicht zu stemmen.

Ein Generalübernehmer zum Festpreis ist die sinnvollere Lösung. Es ist mehr als fraglich, ob sich überhaupt ein Generalübernehmer finden würde, der eine solche komplexe Sanierung zu einem verbindlichen Festpreis übernimmt.

Hinzu kommt: Wer am bestehenden Standort saniert oder neu baut, zwingt die Verwaltung auf Jahre in ein (sicher nicht günstiges) Provisorium. Statt eines Umzugs werden es zwei – denn eine Sanierung im laufenden Betrieb verbietet sich wegen der zahlreich verbauten Schadstoffe von selbst.

Der Weg führt also zum Neubau. Aber wo? Der Vorschlag der Verwaltung (wegen der Nicht-Öffentlichkeit dürfen wir nicht konkreter werden) überzeugt nicht. Gleichzeitig gehört der tatsächliche Raumbedarf auf den neuesten Stand gebracht,

Das Thema ist anfällig für Populismus – das zeigt die jüngere Vergangenheit und das macht eine breite Ratsmehrheit so wichtig. Die Zukunft des Rathauses muss transparent und sachlich herbeigeführt werden. Funktionalität, Wirtschaftlichkeit und ein stimmiges Gesamtbild für Gemeinde und Umwelt – das sind unsere Vorstellungen dazu.

Der neue Rheinland-Tarif – was Fahrgäste jetzt wissen sollten

Seit dem 1. Juni 2026 gilt im Verbundgebiet von go.rheinland – der Region rund um Köln, Bonn und Aachen – ein neuer Tarif im öffentlichen Nahverkehr. Ingo Steiner, GRÜNER Aufsichtsratsvorsitzender des Verkehrsverbund Rhein-Sieg (vrs), erklärt, was sich ändert und wer profitiert.

Warum war eine Tarifreform überhaupt nötig?

Das Deutschlandticket hat die Tariflandschaft im gesamten ÖPNV verändert. Im Verbundraum von go.rheinland nutzen inzwischen rund 80 Prozent der Fahrgäste das Deutschlandticket. Damit wurden viele alte Ticketangebote schlicht überflüssig und gar nicht mehr gekauft. Gleichzeitig war die transparente Abrechnung des Deutschlandtickets zunächst an die alten Tarifsysteme gebunden. Als diese Pflicht wegfiel, bestand kein Grund mehr, die alten Strukturen beizubehalten. Ziel des neuen Rheinland-Tarifs war es, mit möglichst wenigen Preisstufen ein einfaches, verständliches Angebot zu schaffen.

Weniger Preisstufen bedeuten aber auch mehr Ungerechtigkeiten, oder?

Völlig richtig. Früher war eine Fahrt von Wachtberg nach Mehlem teurer als eine Fahrt quer durch Köln. Das war schlicht ungerecht. Dieser Schieflage sind wir bereits mit der Einführung von eezy entgegengetreten: ein digitaler Tarif, der nach Luftlinie abrechnet. Kombiniert mit dem Deutschlandticket und dem neuen Rheinland-Tarif haben wir jetzt drei Bausteine, die sich sinnvoll ergänzen. Der Rheinland-Tarif selbst kennt künftig nur noch drei Preisstufen: Preisstufe 1 gilt innerhalb der eigenen Stadt oder Gemeinde, Preisstufe 2 für bis zu zwei Nachbarkommunen, Preisstufe 3 für das gesamte Verbundgebiet, etwa von Bonn bis Aachen.

Wer sollte den Rheinland-Tarif am Automaten noch nutzen?

Vor allem Besucher der Region ohne Deutschlandticket oder Menschen, die den ÖPNV nur sehr selten nutzen und kein eezy verwenden möchten. Wer kann, sollte eezy nutzen, denn dort gilt immer automatisch der günstigste Tarif. Ein konkretes Beispiel: Die Fahrt von Berkum Rathaus nach Siegburg Bahnhof kostet mit eezy 7,06 Euro. Im Rheinland-Tarif wäre das Preisstufe 3, also 13,90 Euro. Fährt man diese Strecke aber öfter als sechs Mal im Monat hin und zurück, greift der Preisdeckel in Höhe des Deutschlandtickets. Wer eezy nutzt, profitiert automatisch, ohne selbst rechnen zu müssen.

Was ist mit Menschen, die kein Smartphone oder kein Bankkonto haben?

Das ist ein reales Problem. Stand heute setzt eezy ein Smartphone und eine SEPA-Lastschrift voraus. Für Menschen ohne diese Voraussetzungen gibt es aktuell noch keine gleichwertige Lösung unterhalb des Deutschlandticket Sozial. Wir GRÜNE denken an aufladbare Karten als mögliches Modell, aber das erfordert technische Infrastruktur für Check-in und Check-out. Was mich dabei überrascht hat: Als wir eezy eingeführt haben, war unsere größte Sorge, ältere Menschen digital abzuhängen. Doch das Gegenteil ist eingetreten. Marktuntersuchungen belegen: Die Akzeptanz von eezy ist bei der Generation 60 plus besonders hoch. Man könnte fast sagen – je oller, desto mehr eezy.

Und wenn der Akku leer ist, fahre ich dann schwarz?

Nein. Eine digitale Fahrkarte bleibt auch bei leerem Akku gültig. Der Fahrschein wurde ja bereits erworben. Zudem sind Steckdosen und USB-Ladeanschlüsse in Bussen und Zügen inzwischen Standard. Wer trotzdem einmal ohne Nachweis kontrolliert wird, hat sieben Tage Zeit, den gültigen Fahrschein im Kundencenter vorzulegen, dann wird das erhöhte Beförderungsentgelt deutlich reduziert. Grundsätzlich liegt die Verantwortung für ein ausreichend geladenes Smartphone aber beim Fahrgast selbst.

Wachtberg braucht Zisternen

Ob Neubau oder Bestand: Regenwasser gehört aufgefangen. Wachtberg sollte Zisternen in künftigen Bebauungsplänen verpflichtend verankern – und Haushalte, die nachrüsten, mit Fördermitteln unterstützen.

Wer in Wachtberg lebt, kennt das Bild: Einfamilienhäuser, Gärten, Grünflächen – und in trockenen Sommern tropfende Schläuche am Wasserhahn. Dabei fällt auf unsere Dächer Jahr für Jahr wertvolles Regenwasser, das ungenutzt in die Kanalisation abfließt. Das lässt sich ändern.

Zisternen speichern Regenwasser direkt dort, wo es anfällt – und machen es nutzbar für Gartenbewässerung und sogar für die Toilettenspülung. Das entlastet das Trinkwassernetz, reduziert die Abflussmenge bei Starkregen und senkt nicht nur Wasser- und Abwasserkosten, sondern auch die Niederschlagswassergebühr.

Andere Gemeinden machen es vor: Wer neu baut, wird verpflichtet, eine Zisterne einzuplanen. Das kostet im Neubau weniger als der nachträgliche Einbau – und schafft dauerhaften Nutzen. Wachtberg sollte diesen Weg gehen und Zisternen in neue Bebauungspläne als Pflichtanforderung aufnehmen.

Doch was ist mit dem Bestand? Viele Haushalte würden nachrüsten – wenn der erste Schritt einfacher wäre. Gemeindliche Zuschüsse oder zinsfreie Darlehen könnten hier den Unterschied machen. Auch eine Beratungsinitiative, etwa über die Gemeindeverwaltung oder lokale Handwerksbetriebe, würde helfen.

Wachtberg ist eine Gemeinde, die auf ihre dörfliche Qualität stolz ist. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass sie auch in einer trockeneren Zukunft lebenswert bleibt – Dach für Dach, Zisterne für Zisterne.

Die Wachtberger GRÜNEN werden daher entsprechende Vorschläge einbringen, damit das Erfolgsmodell Zisterne bei uns zur Selbstverständlichkeit wird.

Vorträge im YouTube-Kanal

Im Wahlkampf haben wir mit YouTube Shorts (kurzen Hochformaten) unseren eigenen YouTube-Kanal eröffnet. Dieses Jahr hatten wir schon zwei super spannende Online-Vorträge zu den Themen Wildbienen fördern und kürzlich Klimaschutz und die Folgen für uns. Ganz frisch außerdem das Videointerview mit Ingo Steiner zu Hintergründen der Einführung des Rheinland-Tarifs für die Öffis in der Region – ihr seht: Gleich DREI gute Gründe, direkt mal in unserem Kanal zu stöbern: 😁

https://www.youtube.com/@GRÜNEWachtberg